Gedenken an die Zerstörung der Eschweiler Synagoge vor 80 Jahren in der Pogromnacht vom 9.11.1938

Im November 1938 gingen im nationalsozialistischen Deutschland über 1400 Synagogen und andere jüdische Versammlungsstätten in Flammen auf. Auch in Eschweiler wurde die Synagoge in der heutigen Moltkestraße in Brand gesetzt, die Aachener Synagoge erlitt das gleiche Schicksal, in Weisweiler wurde die Inneneinrichtung zerstört.

Erste lokale Ausschreitungen am 8. November waren durch hetzerische Presseberichte entfacht worden, der Massenpogrom am 9. und 10. November ging auf eine Rede Goebbels, Reichspropagandaleiter der NSDAP, zurück, die er vor der Führungsspitze der Partei hielt. Während der Novemberpogrome wurden hunderte Menschen ermordet, jüdische Geschäfte geplündert und 30000 jüdische Mitbürger in Konzentrationslager deportiert. Anlass war das Attentat auf einen deutschen Diplomaten, das als Gelegenheit genutzt wurde, um ein neues Stadium der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu eröffnen: Mit den Novemberpogromen begann die systematische Ausbeutung und Ausschaltung der jüdischen Bevölkerung aus der Wirtschaft.

In Eschweiler lebten seit dem 18. Jahrhundert Juden, man besuchte zunächst die Synagoge in Weisweiler, 1890 bis 1892 wurde eine eigene Synagoge errichtet. Schon weit vor deren Zerstörung mussten die jüdischen Mitbürger unter Verfolgung und Repressalien leiden, so wurde bereits 1933 die jüdische Schule in Eschweiler geschlossen.

In Aachen wurde 1995 in der Nähe des Bushofs an alter Stelle eine neue Synagoge errichtet, ein Mahnmal erinnert seit 1984 an die Zerstörung. 50 Jahre nach dem Eschweiler Synagogenbrand wurde am 9. November 1988 auch in der Moltkestraße, wenige Meter nördlich des ehemaligen Standortes, ein Gedenkstein eingeweiht. Die Inschrift lautet: „An der Moltkestraße befand sich die Synagoge unserer jüdischen Mitbürger. Sie fiel am 9. Nov. 1938 dem NS-Terror zum Opfer.“ In Weisweiler erinnert am Haus Hauptstraße 42 seit 2004 eine Gedenktafel mit folgenden Worten an die alte Synagoge: „Im Hinterhof dieses Hauses stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Weisweiler 1760-1944”.

Wie jedes Jahr findet am 9. November um 15.00 Uhr an der Dreieinigkeitskirche eine Gedenkveranstaltung statt. In Aachen wird am gleichen Tag im Rathaus die Ausstellung „We, the six million“ eröffnet, ein Projekt des Institutes für Katholische Theologie der RWTH Aachen, das sich mit Ausgrenzung, Stigmatisierung, Vertreibung und Ermordung der 6 Millionen Juden während des 2. Weltkriegs beschäftigt. Die Ausstellung wird bald auch bei uns am Städtischen Gymnasium Halt machen.

(J. Hildebrandt)


Fotoquelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Ew-synagogengedenkstein.jpg; By de:Benutzer:Eschweiler [Copyrighted free use], via Wikimedia Commons; 24.10.2018