Antike Stimmen und Visionen: Auf den Spuren des Aeneas

Ein Lateinkurs der 8. Jahrgangsstufe hat sich auf kreative Weise mit dem Mythos um den trojanischen Helden Aeneas auseinandergesetzt.

Ziel war es, die klassischen Erzählstrukturen aufzubrechen und die Beweggründe der Figuren aus heutiger Sicht zu beleuchten.

 

Die Grundlage unseres Projekts bildete die klassische Textarbeit im Unterricht. Wir begleiteten Aeneas auf seiner Flucht (fuga) aus dem brennenden Troja, erlebten seine tragische Liebe (amor) zur karthagischen Königin Dido und verfolgten seine Ankunft in Italien. Doch wir wollten über das bloße Übersetzen hinausgehen: In Diskussionsrunden und Rollenspielen untersuchten wir die Motivation der Figuren.

 

Dabei wurde es oft philosophisch und auch hitzig: War Aeneas wirklich ein pflichtbewusster Held (vir pius) oder handelte er gegenüber Dido rücksichtslos? Welche Rolle spielten die Götter (dei) – hätte Jupiter nicht anders entscheiden können? War das Schicksal (fatum) wirklich unausweichlich? Wenn man in die Rolle des Göttervaters schlüpfen und seine Taten rechtfertigen musste, merkte man schnell, dass diese alten Geschichten viele Facetten haben.

 

Um diese Erkenntnisse zu vertiefen, nutzten wir zwei Doppelstunden für ein freies Projekt. Die Schülerinnen und Schüler konnten zwischen verschiedenen Aufgabenformaten wählen, die dazu einluden, eine ganz eigene Perspektive auf das Geschehen einzunehmen, z.B. wurden lateinische Dating-Seiten entworfen. Mit viel Sprachwitz wurden dabei Profile für die mythologischen Gestalten erstellt. Es entstanden originelle Paarungen und humorvolle Ansätze – so begab sich beispielsweise das Trojanische Pferd (equus Troianus) auf die Suche nach einer passenden Partnerin und entwickelte ein besonderes Interesse an einer Stute aus Troja.

Auch grafisch wurde mit viel Engagement gearbeitet: Einige gestalteten ein Bild oder einen Comic mit lateinischen Sprechtexten, die durch ein Epigramm abgerundet wurden.

 

So haben wir den antiken Mythos mit Rollenspielen und unserem Projekt aus dem Buch in unsere Welt geholt: Es wurde eifrig diskutiert, hinterfragt und neu interpretiert – konzentriert bei der Arbeit, graviter laborantes, aber zugleich immer mit einem Augenzwinkern, sed semper ridentes.

(D. Hoffmann-Mayer)