Zwischen Schule, Uni und Stipendium: Ein Blick auf zwei Ausnahmetalente am SGE
Die beiden Brüder sind bereits seit 2023 beim Programm des NRW-Talente-Stipendiums dabei. Dabei handelt es sich um ein Schülerstipendium, das insbesondere Schüler*innen aus Familien ohne akademische Wurzeln in den Fokus nimmt. Wer in der Städteregion Aachen, in den Kreisen Heinsberg, Düren oder Euskirchen die 8. bis 12. Klasse besucht, kann sich um ein solches Stipendium bewerben.
Nebenbei: Die nächste Bewerbungsrunde startete am 1. Juli. - es lohnt sich! Weitere Informationen: https://www.nrwtalente-regionaachen.de/
Efe und Kaan sowie die anderen NRW-Talente erhalten durch das Stipendium eine individuell zugeschnittene Förderung, die über eine materielle bzw. finanzielle Förderung hinaus auch kulturelle, gesellschaftliche, politische oder berufsorientierende Angebote umfasst. Die Stipendiaten erhalten in Workshops oder Online-Veranstaltungen Einblicke in diverse Berufe. Doch auch Exkursionen stehen auf dem Plan - so waren die beiden mit dem Stipendien-Programm schon in Paris, Weimar oder Berlin.
Vor kurzem hat Efe mit einer Gruppe von NRW-Talenten sogar die NRW-Schulministerin Frau Feller in Düsseldorf getroffen. Über diesen Besuch berichtet er in einem eigenen Artikel hier auf unserer Homepage.
Neben der Schule und dem Stipendienprogramm nehmen Efe und Kaan seit Beginn dieses Schuljahres auch am Schülerstudium teil und studieren Physik an der RWTH. Sie besuchen dafür zweimal in der Woche bereits Vorlesungen, während ihre Mitschüler*innen die Schulbank drücken. Doch den verpassten Schulstoff holen die beiden natürlich später auch noch nach.
Frühstudium - Vielleicht auch etwas für Dich?
Das Frühstudium richtet sich an alle leistungsstarken und motivierten Schüler*innen der Oberstufe, die gerne schon über die Schule hinausschauen wollen. Es bietet die Chance, schon während der Schulzeit "Uniluft zu schnuppern" und herauszufinden, was einem liegt. Der Ablauf ist flexibel, erfordert aber auch Organisation: Parallel zur Schule besucht man jede Woche Vorlesungen an der RWTH Aachen. Wie oft und wann genau diese stattfinden, hängt ganz vom gewählten Fach ab. In manchen Studiengängen, wie zum Beispiel in der Physik, gehören auch wöchentliche Übungsaufgaben dazu, die man abgeben muss. Zusätzlich gibt es freiwillige Übungsstunden, in denen die Musterlösungen besprochen werden.
Wer möchte, kann am Ende des Semesters die reguläre Klausur mitschreiben. Besteht man diese, wird die Note später für das tatsächliche Studium angerechnet. Das spart später Zeit und zeigt schon jetzt, was man kann.
Nach diesen ersten Einblicken kommen Efe und Kaan aber nun selbst zu Wort. Um zu erfahren, wie genau dieser Spagat zwischen Klassenzimmer, Hörsaal und Stipendium im Alltag aussieht und welche Chancen das Stipendium ihnen bietet, haben wir nachgefragt.
Auf der Seite des NRW-Schulministeriums sieht man einen von Euch zusammen mit den NRW-Talenten bei der Schulministerin. Was war das Highlight bei diesem Besuch?
Auf jeden Fall der Austausch mit Dorothee Feller. Wir haben über wichtige Themen geredet, die jede Schülerin und jeden Schüler betreffen. Beispielsweise über Bildungsgerechtigkeit, Digitalisierung und Medienkompetenz, usw.
Auch war es cool, neue Stipendiat:innen kennenzulernen. Die Leute sind super offen und es macht wahnsinnig Spaß, sich mit ihnen zu verknüpfen.
Wie seid Ihr überhaupt auf das Stipendiatenprogramm aufmerksam geworden und warum habt Ihr euch beworben?
Wir haben Herrn Holzinger das Stipendium zu verdanken. Er hat uns auf das Angebot aufmerksam gemacht, uns auf dem Weg begleitet und uns angefeuert. Ohne ihn wären wir niemals so weit gekommen.
Welchen wichtigen Tipp habt Ihr für andere Schüler*innen, die sich auch für das Programm bewerben möchten?
Uns zu bewerben ist eines der besten Entscheidungen, die wir jemals getroffen haben. Deshalb: Traut euch! Man weiß nie, was in einem steckt, bis man den ersten Schritt wagt.
Das Stipendium orientiert sich an Schülerinnen und Schüler, die gut in der Schule sind, in ihrer Freizeit ihren Interessen nachgehen, Leidenschaften haben, ehrenamtlich aktiv sind und vor Herausforderungen nicht abschrecken. Das hört sich vielleicht nach viel an, aber ihr habt es definitiv in euch.
Fangt sonst ein neues Hobby an, engagiert euch in der Freiwilligen Feuerwehr oder tut das, was ihr am besten könnt. In anderen Worten: Seid ihr selbst.
Was gefällt Euch am Stipendium am besten? Nennt uns kurz ein oder zwei Aktivitäten (z.B. Workshops, Ausflüge), die Euch besonders im Gedächtnis geblieben sind.
Das Stipendium finanziert uns das Deutschlandticket, wodurch wir nicht nur einfach zur Schule kommen, sondern auch nach Aachen oder anderen Orten. Das Stipendium ermöglicht uns gesellschaftliche Teilhabe.
Außerdem war die Weimar-Exkursion unser Lieblingsausflug bisher. Wir konnten uns zu vielen Themen weiterbilden, wie z.B. dem Nationalsozialismus, indem wir an Workshops teilgenommen und das KZ Buchenwald besucht haben.
Aber das Beste an dem Stipendium? Auf jeden Fall die Stipendiat:innen selbst. Ohne sie wäre das Stipendium nur halb so gut. Sie alle sind großartige Menschen, offen und talentiert. Wer nach neuen Freunden sucht, findet sie hier.
Letztes Jahr habt Ihr mit Eurer Gruppe beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen den zweiten Preis (Englisch/Französisch) auf Landesebene geholt. Was ist Euch von diesem Erfolg am meisten in Erinnerung geblieben?
Wir haben viel Arbeit in unser Projekt investiert. Einer der schwierigsten, aber auch lustigsten Teile des Wettbewerbs waren die Dreharbeiten mit unseren Freunden. Wir mussten unzählige Szenen neu drehen, weil wir beim Filmen immer Lachen mussten.
Auch die Konzeptualisierung des Videobeitrags ist eine schöne Erinnerung. Wir haben uns gemeinsam hingesetzt und uns gefragt: Was ist eine Nachricht, die wir nach außen tragen möchten?
Somit kamen wir auf die Idee, die Geschichte einer jungen Französin namens Julie zu erzählen. In unserem Projekt, dass den Titel "Dear Julie" trug, ging es um Themen wie gesellschaftliche Polarisierung und die Notwendigkeit, gegen Rechtsextremismus zu kämpfen.
Warum sollte man sich eurer Meinung nach einfach mal trauen, an solchen Wettbewerben teilzunehmen?
Die Teilnahme an solchen Wettbewerben zeigt dir selbst: Hier gibt es ein Projekt, dem ich mich widme. Es ist eine Methode, sich selbst herauszufordern und sich kreativ auszuleben. Ob man erfolgreich ist oder nicht, sei mal in den Hintergrund gestellt: Am wichtigsten ist doch, dass man sich an etwas Neues traut.
Zusätzlich zur Schule studiert Ihr seit letztem Schuljahr Physik an der RWTH. Was ist für Euch der größte Unterschied beim Studium im Vergleich zur "normalen Schule"?
Im Vergleich zum Schulunterricht ist das Volumen an Material, das einem in den Vorlesungen beigebracht wird, viel größer. Die Prüfungen sind wirklich lernintensiver als das Abitur.
Trotzdem sind die Vorlesungen relativ entspannt. Vielleicht liegt das daran, dass keine Anwesenheitspflicht besteht. Jedenfalls werden immer Experimente durchgeführt, hinter denen abgefahrene Konzepte stecken. Man fragt sich: Wie kamen die Physiker ihrer Zeit auf diese Ideen?!
Was macht Euch beim Schülerstudium an der Uni am meisten Spaß?
Wir müssen jede Woche Übungsaufgaben bearbeiten und abgeben. Das hört sich zuerst ganz nervig an, und wegen des hohen Zeitaufwandes ist es das manchmal auch. Trotzdem macht es uns Spaß, sich an die Aufgaben zu setzen, sie zu erarbeiten und die physikalischen Konzepte hinter ihnen zu verinnerlichen. Am Ende ist man stolz auf das, was man geleistet hat.
Schule, Uni und Freizeit unter einen Hut zu bringen klingt anstrengend. Wie strukturiert Ihr Euren Alltag, damit noch Zeit zum Abschalten bleibt?
Unser Alltag hat ehrlicherweise wenig Struktur. Zumindest notieren wir uns alle wichtigen Termine, damit wir nichts vergessen. Wichtig ist generell, dass man im Voraus plant, sich Routinen angewöhnt und genug Schlaf bekommt.
Was ratet Ihr anderen, die auch überlegen, ein Schülerstudium zu beginnen?
Drei Dinge: Erstens, seid euch bewusst, wie viel Zeit das Schülerstudium beansprucht. Besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern ist es leicht, den Anschluss zu verlieren. Man muss am Ball bleiben.
Zweitens, ihr müsst euch selbst dazu motivieren, an den Vorlesungen teilzunehmen, den Stoff zu Hause nachzuholen und die Aufgaben zu bearbeiten. Niemand tut es für euch. Es ist eine Form der Selbstdisziplin. Deshalb ist es auch wichtig, dass das, womit man sich auseinandersetzt, einem Spaß macht.
Drittens, besorgt euch ein Deutschlandticket, da die Vorlesungen an der RWTH Aachen stattfinden.
Zum Abschluss: Welches Lebensmotto motiviert Euch aktuell am meisten?
Lebe nach der Vorstellung, dein Leben würde sich für immer wiederholen. (Efe)
Dass wir in dieses Leben hineingeboren wurden, ist nichts anderes als ein durch den Zufall bestimmtes Privileg! Deswegen gilt: Wir müssen uns glücklich schätzen und die Chance nutzen. (Kaan)